CDU Gemeindeverband Sandhausen

Gebundenes Ganztagesgrundschulmodell „Schule plus“ kommt

Keine echte Wahlfreiheit aufgrund der Rahmenbedingungen

Gemeinderat beschließt mehrheitlich das gebundene Ganztagsgrundschulmodell „Schule plus“.

In der Gemeinderatssitzung vom 31.03.25 wurde die Art der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagesbetreuung in der Grundschule entschieden. 

Hier die Stellungnahme unserer CDU-Fraktion vom 31.03.25:

Gemeinderat Michael HerzogGemeinderat Michael Herzog

Ab dem Schuljahr 2026/27 beginnt die Ganztagesgrundschule mit der ersten Klasse und wächst dann in den Folgejahren bis Klasse 4 hoch. 
Eines möchte ich deutlich sagen: Das Thema Kinder- und Schülerbetreuung ist und bleibt für uns als CDU-Fraktion eine Herzensangelegenheit.
Seit Juli 2021 haben wir uns mit der Weiterentwicklung des Schulstandortes in Sandhausen beschäftigt.
Wir haben mehrfach im Gemeinderat deutlich gemacht, dass das Thema oberste Priorität haben sollte.

Wir sind als erste Fraktion in den Austausch mit dem Elternbeirat der Grundschule gegangen und haben somit direkt erfahren, dass größtmögliche Flexibilität und die Wahlmöglichkeit zwischen dem Ganztages-und Halbtagesmodell den Eltern sehr wichtig ist.
Wir haben uns weiter intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und so ist es noch einmal erwähnenswert, dass unsere Fraktion im Februar 2024 sich gemeinsam mit dem Elternbeirat die Ganztagesgrundschule Merianschule in Wiesloch angeschaut hat, um ein umfassendes Bild zu erhalten, wie ein geregelter Ganztagesbetrieb an einer Grundschule aussehen kann.

Im vergangenen Jahr wurde durch den Gemeinderatsbeschluss dem erhöhten Raumbedarf eines Ganztagesbetriebes Rechnung getragen. Die Räumlichkeiten der Pestalozzischule in der Kirchstraße werden zukünftig von der Theodor-Heuss-Grundschule genutzt. 
Ebenso sehen wir den Erwerb des Wichernhauses von der Evangelischen Kirchengemeinde als wichtigen Baustein für die Entwicklung des Ganztagesbetriebes. Somit haben wir einen großen Schritt in die richtige Richtung getan.

Um es noch einmal klar zu sagen, die Elternschaft der Grundschule hatte Wahlfreiheit und größtmögliche Flexibilität gefordert.
Wir als CDU-Fraktion haben uns immer klar für die Wahlmöglichkeit zwischen gebundener Ganztages- und Halbtagesgrundschule ausgesprochen.
Wenn wir uns die heutige Beschlussvorlage anschauen, beschließen wir heute eine einzige Form: die gebundene Ganztagsschule – das Sandhäuser Modell (SchulePlus).
Daher meine Damen und Herren kann ich ihnen sagen, wir treffen hier eine langfristige, zukunftsweisende Entscheidung. 

Wir haben hier allerdings mit der Schule Plus keine echte Wahlfreiheit, sondern lediglich eine Vermischung der beiden möglichen Formen.
Dieses Modell ist dann noch für alle Grundschülerinnen und Grundschüler verpflichtend. 
Bei der gebundenen Ganztagsschule wird an drei Tagen der Unterricht 7 Stunden im Klassenverband stattfinden.  Von 7:45 Uhr bis 14:45 Uhr  an drei Tagen. An zwei Tagen haben wir wie bisher den Halbtagesbetrieb. 

Falls einige Familien für ihre Grundschulkinder das bisherige Halbtagesmodell möchten, haben sie leider nur die Möglichkeit, den Schulort zu wechseln und beispielsweise auf die Turmschule nach Leimen zu gehen. Das wollten wir als CDU-Fraktion eigentlich vermeiden.
In vielen anderen umliegenden Kommunen u.a. in Walldorf gibt es Grundschulen mit beiden Konzepten. 
Es ist für uns als CDU-Fraktion sehr bedauerlich, dass wir als Gemeinde mit ca. 15.000 Einwohnern nicht beide Optionen anbieten können.

Eine historische Chance wäre gewesen, dass wir aus eines der größten Grundschulen Baden-Württembergs zwei Schulen machen und somit beide Modelle anbieten können. Eine offene Ganztagesgrundschule mit Klappklassen war für uns keine echte Alternative. 
Eine weitere Möglichkeit wäre eine Grundschule mit beispielsweise 3 reinen Ganztagesklassen und zwei Halbtagesklassen gewesen, was vor einigen Jahren noch genehmigungsfähig war, aktuell geht dies leider nicht mehr.

Bedauerlicherweise waren diese gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht von Beginn an klar erkennbar. Erst kürzlich haben wir von übergeordneter Stelle erfahren, dass einige Modelle nicht möglich sind. 
Da hätten wir uns früher mehr Transparenz gewünscht.

Der Ganztagesanspruch wird aus politischen Gründen eingeführt. Hierbei geht es darum, dass beide Elternteile arbeiten gehen können und unsere Wirtschaft gestärkt wird. 

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt für viele Eltern eine wichtige Rolle. Würde man die Kinder entscheiden lassen, würde es vielleicht anders aussehen.
Viele Eltern, die hier keine Nachmittagsbetreuung durch beispielsweise die Großeltern haben, stehen dem Ganztagesbetrieb sehr positiv gegenüber. 
Einige wünschen sich sogar einen Ganztagebetrieb  bis 17 Uhr an allen 5 Tagen.
Wir reden hier von Grundschulkindern und nicht alle Kinder sind in der Lage, den Ganztag durchzuhalten, trotz eines sinnvoll rhythmisierten Unterrichts, d.h. ein angemessenes Verhältnis von Anspannungs- und Entspannungsphasen.

Natürlich nehmen wir auch das Ergebnis der bis zum 3. März durchgeführten Umfrage ernst. 
Bei der Umfrage nahmen Eltern der Kinder der Geburtsjahrgänge 2019 bis 2021 teil. Von 298 Eltern haben 189 teilgenommen, somit immerhin fast 64%. 
70 % der Teilnehmer haben sich für die SchulePlus ausgesprochen. 
Weitere 20% der Teilnehmer können sich dieses Modell für ihre Kinder vorstellen.

Eines möchte ich hier in aller Deutlichkeit sagen: Wir schätzen die intensiven Bemühungen von Herrn Rektor Böllinger, Konrektorin Frau Reichenbecher und ihrem Team, ein ganzheitliches pädagogisches Konzept zu entwickeln, was den lokalen Bedürfnissen und Bedingungen entspricht.

Einen großen Meilenstein erreichen wir somit mit dem heutigen Beschluss.
Wir schaffen somit die Voraussetzung für die Umsetzung der sogenannten SchulePlus, die in nächster Zeit konkret erarbeitet werden muss. 

Wir stehen der Ganztagesgrundschule nicht im Weg, hätten uns allerdings eine echte Wahlfreiheit gewünscht und nicht nur eine Mischform als in Anführungszeichen Kompromiss. 

Und obwohl wir heute nicht einheitlich stimmen, wollen wir als CDU-Fraktion diesen Prozess weiterhin begleiten. 

Um es nochmal deutlich zu sagen: Die Bildung unserer Sandhäuser Kinder ist und bleibt für uns ein zentrales Thema.
Wir wollen das Beste für den Schulstandort Sandhausen, die Schülerinnen und Schüler und Ihre Eltern herauszuholen. 

Wir stimmen somit der Beschlussvorlage mehrheitlich zu. 

Deuten Sie daher die Gegenstimmen nicht falsch als eine Ablehnung gegen die Bildungschancen der Kinder. Die Gegenstimmen sind lediglich Kritik an den vorgeschriebenen schulpolitischen Rahmenbedingungen, wodurch Wege versperrt werden, den Schulstandort Sandhausen, ernsthaft zukunftsfähig zu gestalten. 

Für die CDU-Fraktion, Michael Herzog